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Tierische Vorsorge: So kommt dein Hund gesund in den Urlaub

Wenn ich mich auf etwas verlassen kann, dann ist es das: Im Urlaub werde ich krank. Ich bin schon im Februar verreist, im Juli, im Oktober, und in den Monaten dazwischen auch. In verschiedenste Regionen, ins eiskalte Island genauso wie ins heiße Spanien. Jedes Mal dasselbe: triefende Nase, zugequollene Augen. Schüttelfrost und Meer. Urlaubsgrippe.

Ich weiß: Man sagt über uns Männer, dass wir bei dem kleinsten Anzeichen von Grippe leiden, als wären wir dem Tod geweiht. Aber ernsthaft: Mir geht es dann wirklich, wirklich schlecht. Sooo schlecht! Und ich dachte immer: Es ist doch hundsgemein, dass die Viren mich immer im Urlaub aufsuchen.

Dann habe ich erfahren: Mein kleiner Urlaubsschnupfen ist nichts gegen das, was Bo letztens passiert ist. Der hat sich auf seiner Reise gleich mehrere Sachen eingefangen: Durchfall, Haarausfall, später sogar Pusteln. Diagnose: Leishmaniose. Eine weit verbreitete Mittlermeerkrankheit, die ihn Wochen lang gequält hat, und sich schlussendlich nicht vollends heilen ließ. Der Verursacher: ein kleiner Parasit, vermutlich übertragen von einer Sandmücke. Diese verdammten kleinen Biester!

Nun ist der arme Bo nicht mein Hund, sondern der eines befreundeten Pärchens. Und das hatte schon bei der Anreise nach Italien ein Problem, denn: Bo verträgt das Autofahren nicht. Auf Kurzstrecken ist das den beiden nie aufgefallen. Aber als sie dann einen ganzen Tag unterwegs waren, wurde klar: Bo kotzt, Bo jault, Bo geht’s richtig mies. Von Erholung schon zum Beginn des Urlaubs keine Spur.

Seit dieser Reise haben sich meine Freunde eine Sache vorgenommen: Wann immer sie auf einen Hundebesitzer treffen, warnen sie ihn, bei einem anstehenden gemeinsamen Urlaub mit Hund auf jeden Fall alles so gut wie möglich zu bedenken und vorzubereiten. Denn weil sie selbst damals nicht richtig informiert waren, leidet Bo bis heute an den Folgen seines Reisesouvenirs.

Aber nein – ich will dir hier jetzt auf keinen Fall Angst machen! Im Gegenteil: Dieser Beitrag soll dir helfen, deinen Urlaub mit Hund bestmöglich zu planen. Von der Reiseapotheke bis zur Ersten Hilfe für den Hund habe ich einmal aufgelistet, was ich zu dem Thema weiß. Das ist, dank Bo und seinen Herrchen, schon eine ganze Menge. Und für alles andere habe ich mich bei Tierschutzverbänden und Tierärzten umgehört.

Bevor es losgeht empfehle ich dir noch ganz klar: Sprich vor der Reise auf jeden Fall mit dem Tierarzt deines Vertrauens. So kannst du sicher gehen, dass der kitschige Schlüsselanhänger vom Promenaden-Kiosk im Urlaubsort das einzige fiese Mitbringsel ist, dass du und dein Hund aus dem Urlaub mit nach Hause nehmen.

 

Vor der Abreise zum Tierarzt: Alles, was du für den Gesundheits-Check wissen musst

Seit ich mich das erste Mal im Urlaub erkältet habe, reise ich nicht mehr ohne Nasenspray, Schmerztabletten und Co. Die Reiseapotheke landet immer als erstes in meinem Koffer, denn während ich nicht genau weiß, wie das Wetter vor Ort sein wird und ob ich lieber Shorts oder Rollkragenpulli einpacken soll, steht eines fest: Krank werde ich auf jeden Fall.

Bei deinem Hund ist das hoffentlich nicht so! Dennoch empfehle ich dir, für den Ernstfall gewappnet zu sein. Dafür ist es hilfreich, vorher deinem Tierarzt einen Besuch abzustatten. Zum einen, um noch einmal den Gesundheitszustand deines Vierbeiners checken zu lassen. Und zum anderen, um dich über mögliche Krankheiten im Urlaubsland zu informiere n  und deinen Hund gegebenenfalls direkt dagegen impfen zu lassen beziehungsweise Medikamente für den Notfall mitzunehmen.

Hier ein paar Fragen zur Orientierung, die du deinem Tierarzt stellen kannst (falls du es gerade eilig hast):

  • Wie bereite ich meinen Hund auf die Reise vor?
  • Welche Medikamente gehören in meine Reiseapotheke?
  • Welche Krankheiten treten vermehrt am Urlaubsort auf?
  • Wie schütze ich meinen Hund davor?
  • Woran erkenne ich, dass mein Hund krank ist?
  • Wie muss ich mich verhalten, wenn ich merke, dass es meinem Hund nicht gut geht?
  • Darf ich mich telefonisch melden, wenn ich Fragen habe? Gibt es zum Beispiel eine Notfallnummer? Oder eine Empfehlung für einen Tierarzt vor Ort?

Wichtig: Vereinbare am besten auch schon direkt einen Termin bei deinem Tierarzt für die Zeit nach dem Urlaub. Da bei vielen Krankheiten die Symptome auch erst Wochen nach der Rückreise auftreten können, ist es besser, wenn dein Hund noch einmal durchgecheckt wird. Je früher beispielsweise Parasitenbefall erkannt wird, umso effektiver lässt er sich bekämpfen. Das kann am Ende sogar lebensrettend sein!

 

Hundeapotheke: Das sind die medizinischen Must-haves

Koffer für dich schon gepackt? Dann geht es nun um das Gepäck deines Hundes. Ganz grundsätzlich solltest du alle wichtigen Dokumente auf Reisen dabei haben, dazu gehören

  • EU-Heimtierausweis beziehungsweise Impfpass
  • gegebenenfalls einen Nachweis für die Krankenversicherung deines Hundes
  • Kontaktdaten zum heimischen Tierarzt
  • Kontaktdaten zu einem Tierarzt am Urlaubsort

Neben dem Papierkram gibt es vor allem bei der Reiseapotheke für deinen Hund einiges zu bedenken. Die Herausforderung: Auf alles vorbereitet zu sein. Aber wahrscheinlich hast du Glück und kannst deine Reiseapotheke unangerührt wieder aus dem Koffer nehmen, wenn dein Urlaub um ist. Tipp: Es gibt auch bereits fertig gepackte Reiseapotheken zu kaufen. Auf Nummer sicher gehst du aber, wenn du dabei Rücksprache mit deinem Tierarzt hältst.

 

Medikamente

Klar, bei genauen Fragen zu Medikamenten solltest du auf jeden Fall nochmal mit deinem Doc sprechen. Ganz grundsätzlich empfehle ich dir, an folgende Medizin zu denken:

 

  • Wund und Heilsalbe, zum Beispiel für Schürfwunden
  • Augenwasser zum Spülen von Wunden oder Wasser
  • Jod, am besten organisch gebunden
  • Elektrolyttränke sowie ein pflanzliches Mittel gegen Durchfall
  • Tropfen gegen Erbrechen (rezeptpflichtig)
  • Reisetabletten gegen Unwohlsein während der Fahrt
  • Ohrreiniger
  • Beruhigungsmittel, nach Möglichkeit pflanzlich

 

Sonstiges Material

Da es an vielen Urlaubsorten schwierig werden kann, an manche Produkte für den Hund zu kommen, ist es hilfreich, auch einiges aus deinem Verbandskasten und Co. einzustecken.

 

  • Flohkamm
  • Zeckenzange
  • Fieberthermometer
  • Einwegspritze, etwa, um Medikamente oral verabreichen zu können
  • elastische Binde zum Anlegen eines Verbands
  • Mullkompressen, etwa als Wundauflage oder zur Säuberung
  • Pinzette und stumpfe Schere
  • Holzspatel, mit denen du im Notfall schnell einen Bruch schienen kannst

 

Gewappnet für den Notfall: Erste Hilfe beim Hund – ganz einfach mit dem TAPS-Schema 

Eben noch entspannt auf der Liege gelegen, im nächsten Moment schon mit Puls auf 180 in Alarmbereitschaft: Nein, das ist keine Szene aus Baywatch und hat in diesem Fall auch nichts mit dem Animations-Team im Club-Hotel zu tun – sondern im schlimmsten Fall mit dem eigenen Hund.

Wenn es dem Vierbeiner nicht gut geht, zählt unter Umständen jede Sekunde. Vor allem im Ausland aber muss man sich ziemlich schnell zurechtfinden. Dafür kann ich dir das TAPS-Schema empfehlen: Eine einfache gedankliche Stütze, nach der du im Notfall handeln kannst – und im Handumdrehen alle wichtigen Daten zusammen sammelst, die der Tierarzt unter Umständen bereits am Telefon erfahren möchte.

TAPS

Jeder Buchstabe in TAPS steht für etwas, nämlich: Temperatur, Atmung, Puls, Schleimhäute. Einmal gemerkt, hilft dir das nicht nur im Urlaub, sondern auch im Alltag.

Zunächst solltest du vorab einmal von deinem Tierarzt die Vitalwerte für deinen Hund ermitteln lassen und sie so notieren, dass du sie immer griffbereit hast. Übrigens ist es hilfreich, wenn du die Werte immer mal wieder ermittelst und darüber Buch führst – so hast du Vergleichswerte und behältst regelmäßig Kontrolle über den Gesundheitszustand deiner Fellnase.

Temperatur ermitteln:

Thermometer mit etwas Gleitmittel anfeuchten, dann etwa zwei Zentimeter in den After des Hundes einführen. Bei erwachsenen, gesunden Hunden sollte die gemessene Temperatur zwischen 37,5 und 29 Grad Celsius liegen, bei Welpen können es auch 39,5 Grad Celsius Körpertemperatur sein. Faustregel: Bei älteren Hunden liegen die Werte eher im unteren, bei jüngeren eher im oberen Bereich.

Atmung prüfen:

Hebt und senkt sich der Brustkorb noch? Falls nicht erkennbar, lege vorsichtig die Fingerspitzen auf den Brustkorb und versuche, die Atmung zu erfühlen, oder feuchte deine Hand an und halte sie vor die Nase deines Hundes. Zähle dabei 15 Sekunden die Atemzüge (Hecheln nicht beachten) mit und nehme das Ergebnis mal vier, um die Atemzüge pro Minute festzustellen. Generell hat jeder Hund seine ganz eigene Art und Weise, zu atmen, deswegen solltest du die Ergebnisse direkt mit den Normalwerten vergleichen. 10 bis 40 Atemzüge pro Minute sind je nach Größe des Hundes normal; je größer der Vierbeiner, desto geringer die Frequenz.

Puls messen:

Jetzt geht es um Fingerspitzengefühl! Taste mit Zeige- und Mittelfinger in der Beinfalte am Innenschenkel deines Hundes die Oberschenkelschlagader und zähle für 15 Sekunden die Pulsschläge mit. Wenn du das Ergebnis mal vier nimmst, erhältst du die Zahl der Herzschläge pro Minute. Auch hier zählt wieder der Vergleich mit den normalen Werten deines Hundes, aber zur schnellen Orientierung: bei kleineren Hunden sind 100 bis 120 Herzschläge pro Minute normal, bei größeren 80 bis 100. Ältere Vierbeiner haben oft einen langsameren Puls. Generell kann ein schwacher Puls aber auf einen niedrigen Blutdruck hinweisen; bei Stress und hohen Temperaturen schlägt das Herz schneller.

Schleimhäute prüfen:

Wenn die Schleimhäute der Augen oder im Mund deines Hundes rosa aussehen wie immer, ist alles in Ordnung. Wirken sie eher blass, kann das auf einen Schock, Blutverlust oder Bltarmut hinweisen. Die Schleimhäute verfärben sich blau, wenn dein Vierbeiner einen deutlichen Mangel an Sauerstoff erleidet, wogegen ein gräulicher Ton auf eine Vergiftung und ein gelblicher auf ein Leberproblem hinweisen.

Darüber hinaus hast du noch die Möglichkeit, die kapillare Füllzeit zu messen. Dafür musst du die Lefzen deines Hundes nach oben schieben, eine möglichst helle, rosafarbene Stelle oberhalb der Zähne suchen und dann mit der Fingerkuppe ein paar Sekunden lang drauf drücken. Dadurch wird die Stelle weiß, denn das Blut wird dort durch den Druck verdrängt. Sobald du loslässt, solltest die Zeit mitzählen! 21, 22, 23 – nach zwei bis drei Sekunden sollte die Schleimhaut sich wieder rot verfärbt haben. Dauert es länger, befindet sich dein Hund möglicherweise in einem Schockzustand. Was in diesem Fall zu tun ist, erklärt die Seite Erste-hilfe-beim-hund.de sehr gut.

 

Bei all den Maßnahmen gilt: Übung macht den Meister! Und kann im entscheidenden Moment dafür sorgen, dass du nicht in Stress verfällst, sondern routiniert agierst. Deswegen solltest du vor deiner Reise schon einmal versuchen, den Puls deines Hundes zu messen und die Schleimhäute sowie die Atmung zu prüfen.

 

Aber jetzt bloß keine Panik – ich kenne niemanden, der das bei seinem Hund schon einmal anwenden musste. Aber manchmal kann es ja auch beruhigend wirken, kurz alles durchzuchecken und zu sehen: alles in Ordnung.

 

Reisekrankheiten beim Hund: Wie dein Hund gesund ans Ziel kommt

Ready for Take Off?

Nein?

Dann wirst du mit deinem Hund sicher mit dem Auto in den Urlaub fahren wollen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Anders als im Flugzeug oder in öffentlichen Verkehrsmitteln bist du mit deinem Hund allein, für die gesamte Zeit der Strecke. Das heißt: Egal was passiert, du kannst direkt darauf reagieren. Pause machen, zwischendurch Streicheleinheiten verteilen, mit deinem Vierbeiner sprechen. Alles perfekt – solange dein Hund die Fahrt verträgt.

Denn nicht selten schlägt Hunden das Autofahren auf den Magen. Deswegen ist es auf jeden Fall ratsam, seinen Hund nicht vor der Reise zu füttern, sondern lediglich mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Manche Tierärzte empfehlen, am Reisetag bis zur Ankunft ganz auf das Essen zu verzichten; andere nennen zwölf bis wenige Stunden vorher als Orientierung. Da du deinen Hund am besten kennst, kannst du besser abschätzen, ab wann er ohne Futter nervös wird.

Apropos nervös: Manche Hunde überkommt schon während der Anfahrt die erste Reisekrankheit. Schwindel, Übelkeit, Unwohlsein – auf die Beschleunigungskräfte des Autos reagieren die Vierbeiner nicht selten mit körperlichen Symptomen. Da sie diese aber nicht kommunizieren können, verfallen sie nach kurzer Zeit in Panik und einen körperlichen Stresszustand.

Das lässt sich aber ganz einfach vermeiden! Bei Bo, dem Hund meiner Freunde, war es ähnlich: Fahren ging gar nicht klar, egal ob Twingo oder Kombi. Bis sie ihn an den fahrbaren Untersatz gewöhnt haben. Dafür haben sie eine ganz einfache Taktik angewendet, die zwar zeitintensiv ist, aber auch dir und deinem Hund weiterhelfen könnte.

So gewöhnst du deinem Hund die Autoreisekrankheit ab:

 

  • Starte behutsam! Nimm deinen Hund immer mal wieder mit ins geparkte Auto. Und vertreibe dir anschließend ein wenig die Zeit. (Stelle es also am besten in der Nähe vom WLAN ab. Oder ließ einfach mal wieder ein gutes Buch.) Der Hund wird mit der Zeit anfangen, sich zu langweilen, und es sich im Auto bequem machen. Sehr gut! Leckerli dafür. Der erste Schritt ist gemacht.

 

  • Weil oft auch die Geräusche Vierbeinern Angst einjagen, wiederhole das Ganze bei laufendem Motor. Und wage anschließend mal kurze Strecken, zum Bäcker oder einfach nur um den Block. Schön ist es für deinen Hund, wenn er anschließend eine Belohnung bekommt, zum Beispiel einen ausgedehnten Park. So wird die Autofahrt mit etwas Positivem verknüpft.

 

  • Jetzt geht es nur noch um Kleinigkeiten. Hundetrainer empfehlen beispielsweise, zu verhindern, dass der Hund nach draußen schauen kann – die vorbeiflimmernden Autos und Bäume sorgen schnell für Übelkeit. Außerdem kann man es dem Vierbeiner richtig schön gemütlich im Wagen machen – mit einer Kuscheldecke, etwas Spielzeug oder anderen vertrauten Dingen.

 

  • Steht die große Reise dann an, gilt natürlich: Immer mal wieder mit dem Hund reden, häufiger Pausen einlegen.

 

Hilft das alles nicht, solltest du lieber nochmal mit deinem Tierarzt sprechen. Zum Beispiel über pflanzliche Beruhigungsmittel, etwa Bachblüten-Tropfen. Manche Hundebesitzer schwören auch auf Ingwer als Hausmittel. Aber vielleicht kennt dein Doc ja auch rezeptpflichtige Medikamente, die schnell und schonend wirken und deinem Hund helfen können.

 

Das Wichtigste: Ruhig bleiben, egal was passiert

Puh, ich merke schon: Dieser Text ist ein bisschen wie diese Beipackzettel bei den Tabletten – je mehr man liest, umso schlimmer scheint es. Dabei will ich dich ja viel mehr dazu motivieren, einen Urlaub zu machen! Und ganz ehrlich: In den wenigsten Fällen passiert wirklich etwas, also keine Sorge. Selbst Bo, den es ja nun wirklich schlimm erwischt hat, geht es längst wieder viel besser.

 

 

Schlusssatz Profil

Krankheiten sind nie ein schönes Gesprächsthema. Urlaub hingegen schon. Und auch, wenn das hier alles ziemlich düster klingt: Ich hoffe natürlich, dass du am Ende deines Urlaubs mit Hund nur über die Reise sprichst – weil alles gut gegangen ist. Aber was soll jetzt auch noch schiefgehen? Eben. Gute Reise!

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